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Wie du die Leistungsfähigkeit deiner Zuhörer bewusst förderst

 

So bringst du dein Publikum gekonnt in einen Hochleistungs-Modus - mit Stress (Yerkes-Dodson-Gesetz)

Frage: Lernen Menschen besser unter starkem Stress oder unter weniger starkem Stress? Die Antwort scheint einfach zu sein, doch die Wahrheit wird dich überraschen. Denn die zwei Psychologen Robert Yerkes und John Dodson haben dies genauer untersucht. Dabei ist das sogenannte Yerkes-Dodson-Gesetz entstanden. Wie dir dieses Gesetz bei deinen Vorträgen hilft, erfährst du in diesem Beitrag.

Erzeuge Spannung mit emotionalen Reizen - etwa subtiler Erotik

Was glaubst du? Unter welchen Bedingungen würdest du am besten lernen, dass du dir bei deinen Vorträgen nicht ins Gesicht fassen sollst? Wenn ich dir jedes Mal einen kleinen, einen mittleren, oder einen starken Stromschlag verpasse? Womöglich denkst du jetzt: "Ist doch klar. Wenn ich starke Stromschläge bekomme, lerne ich es am schnellsten!". Yerkes und Dodson haben an Mäusen getestet, bei welcher Stromstärke sie am besten lernen und dabei festgestellt, dass es einen optimalen Bereich bei mittleren Stromstärken gibt. Sowohl zu schwache, als auch zu starke Stromschläge führen zu weniger guten Leistungsergebnissen. Entweder die Mäuse waren nicht genug zur Aktivität motiviert oder zu stark gestresst. In beiden Fällen ist die Aufmerksamkeitsspanne kleiner als unter einer optimal dosierten Stressportion.

Diese Erkenntnis lässt sich auch auf uns Menschen übertragen. Wie kannst du dies also bei deinen Vorträgen nutzen? Indem du dein Publikum - wohl bedacht und dosiert - etwas außerhalb der Komfortzone bewegst. Wir sprechen von einer bewussten Stressinduktion. Dafür hier ein paar Ideen:

Eine Möglichkeit ist es, dein Publikum emotional anzuregen. Ein für mich noch recht neues und interessantes Beispiel ist es, neben den gewöhnlichen Reizen - etwa optisch und akustisch - auch "erotische" Reize anzusprechen. Damit ist keinesfalls plumpes oder gar sexistisches Verhalten gemeint, denn dies würde dich auf der Stelle diskreditieren. Vielmehr gilt es die feine Linie der subtilen Erotik, etwa durch ehrlich gemeinte Komplimente, nicht zu überschreiten. Damit adressierst du direkt den Wunsch jedes Menschen sich schön, gemocht und geliebt zu fühlen.

Eine andere Form, Erotik indirekt anzuspielen, ist die Einbindung von Humor. Hier kannst du dir die Struktur von Witzen zu nutze machen, denn es gibt meist einen "stellvertretenden Sündenbock" in der Geschichte. Und wir Menschen lachen einfach gern und lassen uns von charmant anzüglichen Geschichten inspirieren. Im Video siehst du hierfür ein Beispiel mit einem Werbespot für bildblog.de, den ich bereits bei einem Seminar erfolgreich benutzt habe.

Mit milder "Bedrohlichkeit" dein Publikum aufmerksam halten

Als zweite Möglichkeit, mein Publikum mit Reizen zu aktivieren, nutze ich ein wohl dosiertes Level an "Bedrohlichkeit".  Auch hier geht es darum, die Menschen an den Rand ihrer Komfortzone zu bringen, was dir dauerhafte Aufmerksamkeit beschert.

Beispielsweise haben viele Menschen Angst davor, vor Anderen zu sprechen. Du kannst also mit dem Mikrofon auf eine Person in deinem Publikum zugehen, ihr das Mikrofon geben und eine Frage stellen. Das erhöht mit Sicherheit den Stress des Teilnehmenden (und meist auch der übrigen).

Eine andere Möglichkeit ist es, vorher über dein Publikum ein paar Details zu recherchieren und diese in deine Rede einzubauen. Wir hatten in einem unserer Seminare einen Teilnehmer, der auf seiner Website Angaben gemacht hat, die rein rechnerisch gar nicht möglich waren. Das Seminar begann ich mit dem folgenden Satz: "Wir haben einen Hochstapler im Raum!". Du kannst dir vorstellen, dass die Spannung enorm war. Jeder wollte wissen, wer gemeint war. Dein Publikum bleibt aufmerksam. Garantiert. Die anschließende Auflösung verlief übrigens für alle sehr unterhaltsam und auch der "Übeltäter" freute sich über wohlwollende Hinweise seine Daten zu überarbeiten.

Aktivierung und langfristige Lernerfolge durch Wissens-Quiz-Spiele (WQS)

Entgegen sonstigen oft als lästig empfundenen Prüfungen, ist der Einsatz von Wissens-Quiz-Spielen für alle Teilnehmenden sehr angenehm, humorvoll und aktivierend. Wie effektiv dies funktioniert, hat die Management-Trainerin Vera F. Birkenbihl häufig bewiesen. Ihre Methode ist es, ganz zu Beginn ihrer Vorträge interessante Fragen zum Thema zu stellen. Sie fordert ihr Publikum auf, sich ihre eigenen Antworten zu notieren. Während des Vortrages löst sie dann nach und nach die Antworten auf. Wenn du außerdem zusätzlich das Publikum mit ihren Antworten interagieren lässt, zum Beispiel indem sie sich mit den Nachbarn austauschen sollen (natürlich vor der Auflösung), hast du gleich einen besseren Lernerfolg, da alle Teilnehmenden dieselbe Information mindestens drei mal verarbeitet haben: 1. Was weiß ich zu dem Thema / was denke ich darüber? 2. Was denkt mein Nachbar darüber, was sage ich einer anderen Person dazu. 3. Wie stehe ich im Vergleich zur richtigen Antwort da? Was kann ich lernen?

Deine Aufgabe der Woche: Bastele dein erstes Wissens-Quiz-Spiel. Dieses kann aus interessanten Fakten aus einer Zeitung bestehen, aus einem Lehrbuch oder einer Dokumentation. Sieh dir dazu unbedingt auch die Vorlage von Vera Birkenbihl an, die ich heute in den Anmerkungen verlinkt habe.

 

 

Yerkes, R.M. & Dodson, J.D.: The relation of strength of stimulus to rapidity of habit-formation. Journal of Comparative Neurology and Psychology, 18 (1908) 459-482

W. Brad Blanton. (1996). Radical Honesty: How To Transform Your Life By Telling The Truth

Birkenbihl TV, Folge 18, Kopf Spiele Teil 2: Link

Birkenbihl, Vera - Wissens-Quiz-Spiele WQS), abgerufen am 12.0.2020: Link

Vorlesung Modul A2, WS 2013/14
Motivation, Emotion, Volition
Aktivationstheoretische Ansätze,
Thomas Goschke, TU Dresden (Online Dokument hier)

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